Essen-Wissen Stiftung Eildermann · Madamfo Ghana e.V. · Pilotprojekt Westafrika
Das lebendige
Klassenzimmer
Nordregion Ghana
Ein agrarökologisches Pilotprojekt an der Schnittstelle von pädagogischer Architektur und lokaler Ernährungssicherheit im sudano-sahelischen Klimagürtel.
Interaktiver Lageplan
Der räumliche Bauplan — 2.500–3.500 m²
Das Gelände ist als vernetztes Savannen-Ökosystem für 200–250 Schüler konzipiert. Die Struktur folgt Wasserquelle, Windrichtung (Harmattan aus NNE) und pädagogischer Zugänglichkeit. Zone anklicken für Details.
Zone anklicken für detaillierte Informationen zu Kulturen, Infrastruktur und pädagogischer Nutzung.
- Sitzrunden unter Baumschatten für Freiluft-Unterricht
- Beschriftete Demonstrationsbeete (2 × 4 m) für jüngste Klassen
- Pädagogische Informationstafeln: Nährstoffkreislauf, Pflanzenbestimmung
- Komposter-Demo: «Warum Kompost den Boden ernährt»
- Werkzeughaus + Lager für Schüler-Gartengeräte
- Bestehende Mangobäume als sofortiger Schattenspender nutzen
- Einfache Holzbänke aus lokalem Holz
- Handbewässerung aus Zone-D-Leitungsnetz
- Shade-Netting 30–50 % auf Holzpfählen (~1 m Höhe)
- Tröpfchenbewässerungsleitungen auf allen Beeten
- Borehole-Anschluss: Schwerkraftverteilung von Zisterne
- Hochbeete (20 cm erhöht) zur besseren Bodenkontrolle
- Schüler pflegen eigene Beete (Parzellensystem nach Klassen)
- Wiegen und Protokollieren der Erntemengen (Mathematik)
- Nährstoffexperimente: Kompost vs. ohne Kompost
- Sorghum: ~600–800 kg Kornertrag/Saison
- Cowpea: ~150–200 kg Hülsenfrüchte + 2. Anbau möglich
- Erdnuss: ~120–180 kg → Erdnusspaste für Schulküche
- Stroh: ~800 kg → Mulchmaterial für Zone B
- Sorghum-Reihen (0,75 m) + Cowpea zwischen den Reihen
- Erdnuss in eigenen Parzellen (500 m²) + als Zwischenfrucht
- Nach Ernte: Cowpea-Wurzeln einarbeiten → Stickstoff
- Borehole 30–60 m Tiefe (saisonunabhängiger Grundwasserspiegel)
- Solarpumpe 300–500 W · Förderleistung 500–800 l/h
- 10.000-l-Zisterne (PE oder Beton) als Tagespuffer
- Schwerkraft-Verteilernetz → Tröpfchenbewässerung Zone B
- Grauwasser-Filteranlage (Schulküchen-Abwasser → Zone E)
- Zone B (850 m², Tröpfchen): ~1.500–2.000 l/Tag
- Zone A (Handgießen Demo-Beete): ~200 l/Tag
- Zone E (Moringa, Grauwasser): ~500 l/Tag
- Zisterne deckt ~5 Tage Puffer ohne Sonnenstrom
- Lebender Windschutz: reduziert Harmattan-Einwirkung auf Zone B+C um ~40–60 %
- Moringa-Blätter: wöchentliche Ernte → Trocknen → Nährstoffpulver
- Neem-Extrakt als natürliches Pestizid (lokale Praxis)
- 3-kammriges Kompostsystem: Sorghum-Stroh + Küchenabfälle + Kompost
- Grauwasser-Bewässerung (aus Zone D-Recycling)
Die Ernährungsmatrix
6 Kernkulturen gegen Nordghanas Mangelernährung
Jede Kultur erfüllt eine Doppelfunktion: spezifische Nährstoffe für die Schulküche und ökologische Stabilisierung des Savannen-Mikrokosmos. Karte anklicken für ausführlichen Steckbrief.
Jahreszyklus · Sudano-Sahel-Rhythmus
Anbaukalender Nordghana
Die einzige Regenzeit (Mai–Oktober) bestimmt den Hauptanbau. Zone B ermöglicht durch Bewässerung ganzjährigen Betrieb. Zone C folgt dem natürlichen Regenrhythmus.
| Kultur / Zone | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| — Zone C: Offenes Feld (Regenzeit-Anbau) — | ||||||||||||
| Sorghum | — | — | — | — | Saat | W | W | W | W | Ernte | Stroh | — |
| Cowpea (1. Anbau) | — | — | — | — | Saat | W | W | Ernte | 2.Saat | W | Ernte | — |
| Erdnuss | — | — | — | — | — | Saat | W | W | W | Ernte | — | — |
| — Zone B: Gemüse-Intensivzone ★ (mit Bewässerung, ganzjährig) — | ||||||||||||
| Okra / Yardlong Bean | B★ | Ernte | Saat | B★ | B★ | Ernte | Saat | B★ | Ernte | Saat | B★ | B★ |
| Amaranth / Celosia | B★ | Ernte | Saat | Ernte | Saat | Ernte | Saat | Ernte | Saat | Ernte | Saat | Ernte |
| Tomate (Trockenzeit-Sorten) | B★ | B★ | Ernte | — | — | — | — | — | Saat | B★ | B★ | B★ |
| — Zone E: Windschutz / Dauerkultur — | ||||||||||||
| Moringa (Blatternte) | Schnitt | W | W | Ernte | W | W | W | Ernte | W | W | Ernte | W |
| Baobab (Frucht / Blatt) | Frucht | Frucht | — | — | Blatt | Blatt | Blatt | Blatt | Blatt | W | — | — |
Kritische Infrastruktur
Die 5-stufige Wasser-Architektur
Nordghanas 6–7-monatige Trockenzeit ist der limitierende Faktor. Kein Folientunnel wie in Benin – stattdessen ein geschlossenes Kreislaufsystem gegen Wasserverlust.
Das Labor im Freien
Pädagogische Integration in den Lehrplan
Der Lern- und Ernährungsgarten ist kein Produktionsbetrieb, sondern das lebendigste Labor der Schule. Die Gartenarbeit wird direkt in den Lehrplan für 200–250 Schülerinnen und Schüler integriert.
🔬 Naturwissenschaften & Ökologie
Am Beispiel der Cowpea wird der Stickstoffkreislauf greifbar: Schüler untersuchen Rhizobium-Knöllchen an den Wurzeln. Im Kompost entdecken sie Bodenlebewesen und verstehen intakte Nährstoffkreisläufe der Savanne.
📐 Mathematik & Wirtschaft
Kinder vermessen Parzellen, berechnen Saatgutbedarf pro Hektar, wiegen und protokollieren Erntemengen. Ressourcenplanung: Wieviel Cowpea für 200 Schulmahlzeiten? Überschüsse am Markt vs. Eigenversorgung.
🍲 Ernährungsbildung & Praxis
Wöchentlicher Projekttag: Wie entsteht aus Cowpeas, Moringa-Blättern, Sorghum-Brei und Erdnusspaste eine vollwertige, eisenreiche Schulmahlzeit? Lokal, bezahlbar, nährstoffdicht.
🌍 Umwelt & Klimabildung
Warum schützt Mulch den Boden? Wie hilft Moringa gegen Bodenerosion? Schüler erleben den Harmattan-Windschutz der Allee hautnah und verstehen agrarökologische Zusammenhänge ihrer Region.
Budget & Realisierung
Pilot-Blueprint: Nordregion Ghana (2.500–3.500 m²)
Kostensparend durch lokale Materialien und wassereffiziente Infrastruktur. Das Shade-Netting-Konzept ist deutlich günstiger als Folientunnel und klimagerechter für den Sahel.
| Position | Hinweis | Kostenrahmen (€) |
|---|---|---|
| A — Wasserinfrastruktur (Capex) | ||
| Borehole 30–60 m + Solarpumpe 300–500 W | Tiefere Bohrung als Benin, Solar lokal beschaffbar | 4.000 – 9.000 |
| 10.000-l-Zisterne + Verteilernetz | PE-Tank oder Betonzisterne, Schwerkraftverteilung | 1.500 – 3.500 |
| Tröpfchenbewässerung Zone B (850 m²) | Schläuche, Emitter, Verbindungen | 800 – 2.000 |
| Grauwasser-Filteranlage (einfach) | Kies-Sand-Filter, lokale Materialien | 200 – 500 |
| B — Überdachung & Schutz (Capex) | ||
| Shade-Netting 30–50 % für Zone B (~850 m²) | Holzpfähle lokal, Netz importiert oder Ghana-Markt | 1.200 – 3.500 |
| Windschutzpflanzen Zone E (~200 Moringa-Setzlinge) | Aus lokalem Baumschulbetrieb oder UDS-Partnerschaft | 150 – 400 |
| C — Infrastruktur & Einrichtung (Capex) | ||
| Werkzeughaus + Lagerraum (Zone A) | Lokalbauweise: Adobe / Lehm-Ziegel | 600 – 2.000 |
| Demonstrationsbeete Zone A (8 × 4 m²) | Einfache Holzrahmen, Komposterde | 200 – 500 |
| Pädagogische Informationstafeln (8 Stück) | Laminiert, lokal produzierbar | 150 – 400 |
| D — Betrieb & Bildung (Opex, 1. Jahr) | ||
| Saatgut (Sorghum, Cowpea, Erdnuss, Moringa, Amaranth, Baobab) | Lokale Sorten bevorzugt (UDS-Empfehlung) | 200 – 500 |
| Lokale Projektkoordination (Agrotech/Agroingenieur) | Aus Madamfo-Ghana-Netzwerk (12 Monate) | 3.000 – 6.000 |
| Schulung Lehrkräfte & Ernährungsunterricht-Material | 2 Trainingstage + Lehrpläne | 400 – 1.200 |
| Monitoring & Dokumentation (Pilotjahr) | Fotodokumentation, Erntemengen-Protokoll | 300 – 600 |
| Gesamtbudget Pilotprojekt Nordghana (2.500–3.500 m²) | ca. 12.700 – 30.100 € | |
Jährliche Folgekosten: ca. 3.500–7.500 € für Koordination, Saatgut, Wartung. Günstiger als Benin durch einfachere Überdachungsinfrastruktur.

